Rückblick

Die Tagung „Traces of Making” in Bildern

Hier finden Sie einen visuellen Rückblick zur Tagung „Traces of Making – Form, Konstruktions- und Entwurfsprinzipien von spätgotischen Zellengewölben – ‘reverse engineering’ und experimentelle Archäologie” die vom 20. bis zum 21. Januar 2012 in der Albrechtsburg Meißen sowie im Bergezentrum Trebsen stattfand. Das Programm der  Tagung finden Sie unter folgenden Link: ToM-Programm.pdf. Für weitere Informationen und zusätzliches Pressematerial kontaktieren Sie uns bitte über das Mailformular.

 



Fotos: Andreas Gosch

Die Tagung „Kirche als Baustelle” in Bildern und Text

Auf dieser Seite finden Sie einen kurzen Rückblick zur Tagung „Kirche als Baustelle – Große Sakralbauten des Mittelalters” die vom 10. bis zum 13. November 2011 in Dresden stattfand. Das Tagungsprogramm finden sie hier. Sollten Sie mehr über die vergangene Tagung oder das Projekt “Kirche als Baustelle” haben, kontaktieren Sie uns einfach über unser Mailformular.




Fotos: Andreas Gosch

Pressestimmen zur Tagung „Kirche als Baustelle“

Erzählende Architektur – Universitätsjournal der TU Dresden

Auf dem Baugerüst unter dem Deckengewölbe wird diskutiert. Es ist das Probegewölbe, das in der Kapelle des Dresdner Residenzschlosses errichtet wurde. Hier soll die mittelalterliche Technik der Schlingrippenwölbung wieder zum Leben erweckt werden. Beim Wiederaufbau sind zwei Wissenschaftler der TU Dresden, David Wendland und Stefan Bürger, als Berater engagiert; sie präsentieren den Gästen der Tagung „Kirche als Baustelle“ diesen international einmaligen Wiederaufbauprozess. Das moderne Beispiel der Schlosskapelle reihte sich in die Betrachtung historischer Bauprozesse während dieses internationalen Kolloquiums ein.

Hier wurden vom 10. bis zum 13. November Sakralbauten des Mittelalters analysiert und gefragt, wie sich verschiedene Teile der Gesellschaft in deren Bau einbrachten. „Denn bei dem oft langwierigen und teuren Bau von Kirchen konnten und mussten sich verschiedene Personen und Gruppen engagieren, die sich so in der Gesellschaft neu zu positionieren vermochten“, erklärt Prof. Bruno Klein. Der Lehrstuhlinhaber für Christliche Kunst der Spätantike und des Mittelalters leitet am Sonderforschungsbereich 804 das Teilprojekt „Die Kirche als Baustelle“, das zum Kolloquium nach Dresden lud. Tagungsorganisatoren waren Bruno Klein, Katja Schröck und Stefan Bürger. Knapp 100 Gäste, darunter Kunsthistoriker, Architekten, Ingenieure und Dombaumeister aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Italien und Tschechien erörterten die gesellschaftliche und künstlerische Bedeutung von historischen Bauprozessen an Fallbeispielen aus ganz Europa.

Zunächst wurde im Kolloquium die genaue Rolle bestimmter Personen und Gruppen im Bauprozess besprochen. So erklärte Eva Maria Waldmann, wie der Franziskanerorden ein Finanzierungskonzept für monumentale Bauten entwickelte, indem wohlhabende Familien Teile des Kirchenraumes kauften. „Die Neueinführung von Laienbestattungen innerhalb der Kirchenräume ermöglichte es Stiftern, Kapellenräume nicht nur zu erwerben, sondern diese auch ausstatten zu lassen und weiter zu vererben und sie so prestigesteigernd und werbewirksam einzusetzen“, sagt die österreichische Kunsthistorikerin. Nicolas Reveyron aus Lyon bezeichnete solche Anbauten auch als „Baustelle“ in der Baustelle. Er zeigte in seinem Vortrag die Gefahr auf, dass Kirchenbauten durch den notwendig erscheinenden Anbau von Kapellen auch substanziell beschädigt werden konnten und es deshalb galt, hiergegen Vorsorge zu treffen.

Im Kolloquium wurde zudem diskutiert, welche Bedeutung Planungsprozesse und -strategien beim Bau mittelalterlicher Kirchen einnahmen. Der niederländische Architekturhistoriker Merlijn Hurx kam beispielsweise zu dem Schluss, dass die schlichte Architektur holländischer Kirchen aus praktischer Notwendigkeit resultierte. „Die Kirchenbauten mussten die Anforderungen der schnell wachsenden Stadtbevölkerung und gleichzeitig die begrenzten finanziellen Mittel dieser neuen Gemeinden berücksichtigen“.

Der Abendvortrag des Schweizer Kunsthistorikers Peter Kurmann bildete einen der Höhepunkte des Kolloquiums. Er sprach über die Kathedrale von Reims und fragte, warum sie im Gegensatz zu den anderen in der Tagung besprochenen Kirchenbeispielen trotz der langen Bauzeit so einheitlich errichtet wurde, und kam zu dem Schluss, „dass hier eine architektonische Erscheinung geschaffen werden sollte, die sich in einer dramatischen Weise von der städtischen Umgebung abhob – die Kathedrale wurde nicht für, sondern in gewisser Weise gegen die Bürger der Stadt errichtet.“

„In den besprochenen Beispielen wurde deutlich, dass es modellhafte Strategien gab, um Bauprozesse und Bauwerke zu instrumentalisieren, dass jedoch die konkreten Erscheinungsformen an die spezifische Mischung der Akteure gebunden war“, resümiert Stefan Bürger. „Die Werke sind so individuell wie die gesellschaftlichen Konstellationen.“. Und Projektleiter Bruno Klein betont, dass heutige Planungs- und Bauprozesse sich genauso wie die mittelalterlichen interpretieren lassen. Dabei schärft der Blick in die Vergangenheit die Analysemöglichkeiten von Gegenwärtigem.

Und so konnten die Tagungsgäste auf dem Baugerüst in der Dresdner Schlosskapelle viel über die aktuellen Bemühungen um die Wiederbelebung des mittelalterlichen Bauhandwerks erfahren, das späteren Betrachtern dieser Kapelle sicher etwas über unsere Zeit erzählen wird.

Caroline Path für das Universitätsjournal der TU Dresden, Ausgabe 19/2011.

► Download des Artikels aus dem Unijournal der TU-Dresden Ausgabe 19-11

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